REBEN VOLLER CHARAKTER

Gutedel. Leise Frucht, ein weiter Blick.

Ein zarter Apfelton, milde Säure und viel Platz für das Essen: Gutedel lädt zum ruhigen Genießen ein. In der Schweiz heißt dieselbe Rebe Chasselas.

Ein alter Name mit unterschiedlichen Geschichten.

Zur frühen Herkunft gibt es unterschiedliche Angaben. Das Deutsche Weininstitut erzählt eine weit zurückreichende Geschichte aus dem östlichen Mittelmeerraum. Swiss Wine nennt die Genfersee-Region; das französische Sortenregister hält Burgund oder die Schweiz für wahrscheinlich. Eine sichere Reise von den Pharaonen bis ins heutige Weinglas lässt sich daraus nicht machen. Die jüngere Geschichte ist greifbarer – und ebenfalls schön.[2][1][3]

Ein Markgraf ließ Pflanzgut kommen.

Für Deutschland sind Gutedelpflanzungen bereits vom Beginn des 17. Jahrhunderts überliefert. Einen wichtigen Schub gab Markgraf Friedrich von Baden: 1780 führte er Pflanzgut aus Vevey am Genfersee ein. Heute ist das Markgräflerland seine wichtigste deutsche Heimat. Zwischen Freiburg und der Schweizer Grenze gehört Gutedel ganz selbstverständlich zum Wein und zur Landschaft.[2]

Zarte Aromen brauchen keine Bühne.

Chasselas kann an Apfel, Birne und Zitrus erinnern, manchmal auch an Linden- oder Akazienblüten. Die Säure wirkt meist sanft. In der Schweiz begegnet er dir im Wallis als Fendant, in Neuenburg auch als Non Filtré. Solche Unterschiede machen einen Vergleich reizvoller als die Vorstellung von einem einzigen, immer gleichen Gutedelgeschmack.[1]

Am liebsten mit etwas Gutem auf dem Teller.

Die Rebe bevorzugt eher tiefgründige, nicht zu trockene Standorte und Schutz vor kalten Winden. Aus ihr entstehen häufig leichte, jung zugängliche Weine. Das Deutsche Weininstitut empfiehlt sie zu feinerem Fisch oder zartem Käse. Ihre zurückhaltende Art lässt solchen Gerichten Raum, statt sie mit einem mächtigen Bukett zu überdecken.[2]

Auch ein Käseabend ist eine Einladung.

Fondue und Raclette sind vertraute Partner eines Schweizer Chasselas; ebenso Forelle, Felchen oder Meeresfrüchte. Viele Flaschen schmecken jung besonders frisch. Gute gereifte Beispiele können wiederum nussige Töne entwickeln. Es lohnt sich deshalb, neben der Herkunft auch die konkrete Stilbeschreibung und das Alter des Weins wahrzunehmen.[1]

Zum Nachlesen

Swiss Wine Promotion: Chasselas

Deutsches Weininstitut: Gutedel

Plantgrape / INRAE, IFV, Institut Agro: Chasselas

Recherchiert im Oktober 2026 · Wein, Sekt & Champagner

ZEIT FÜR EINEN GUTEN SCHLUCK

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