Antinori Solaia Toscana Rosso IGT 2022

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Anbieter: Vinolisa
Preisstand: 22.10.2026

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Beschreibung

Solaia Rosso IGT 2022 Marchesi Antinori · Toscana IGT

Als Giovanni di Piero Antinori im Jahr 1385 der Arte Fiorentina dei Vinattieri beitrat, jener ehrwürdigen Florentiner Winzergilde, die über die Qualität des städtischen Weinhandels wachte, ahnte er wohl kaum, welch bedeutendes Vermächtnis er begründen würde. Seit über sechshundert Jahren haben die Marchesi Antinori die Geschicke eines der wichtigsten Weinimperien Italiens gelenkt – stets getrieben von jenem Drang nach Exzellenz, der im Familienmotto „Te duce proficio“ seinen lateinischen Ausdruck findet.

Die Revolution

Die eigentliche Revolution sollte erst in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts erfolgen. Als Piero Antinori, der 25. Marchese, im Jahr 1966 die Unternehmensleitung von seinem Vater Niccolò übernahm, lag der einst ruhmreiche Chianti danieder: vernachlässigte Weinberge, minderwertige Sangiovese-Klone und eine Kellerpraxis, die in der Vergangenheit erstarrt war. Gemeinsam mit dem legendären Önologen Giacomo Tachis, einem Schüler des Bordelaiser Meisters Émile Peynaud, setzte Piero Antinori zu einer beispiellosen Neuerfindung an.

Die Geburt eines Mythos

Der Tignanello des Jahrgangs 1971 markierte den Beginn – ein Wein, der erstmals Sangiovese mit Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc vermählte, auf Weißweinsorten verzichtete und im kleinen französischen Eichenfass reifte. Ein Sakrileg in den Augen der Traditionalisten, doch der Anfang einer Bewegung, die unter dem Namen „Supertoskaner“ Weingeschichte schreiben sollte.

Nur wenige Jahre später folgte der nächste Schritt: Aus der sonnenreichsten Parzelle der Tenuta Tignanello, jenem von Cabernet dominierten Flecken Erde, den man schlicht „Solaia“ – die Sonnige – taufte, entstieg 1978 ein Wein von provokanter Radikalität. Achtzig Prozent Cabernet Sauvignon, zwanzig Prozent Cabernet Franc – eine Cuvée, die sich bewusst vom toskanischen Erbe löste, um auf Augenhöhe mit den großen Gewächsen Bordeaux‘ und Kaliforniens zu treten.

Die internationale Weinwelt nahm diese Herausforderung an: Im Jahr 2000 kürte Wine Spectator den Solaia 1997 zum Wein des Jahres – das erste Mal, dass einem italienischen Gewächs diese Ehre zuteilwurde.

Heute ruht die Verantwortung für das Familienunternehmen auf den Schultern dreier Schwestern: Albiera als Präsidentin sowie Allegra und Alessia steuern gemeinsam die Geschicke der siebenundzwanzigsten Generation. Ihr Vater Piero, inzwischen Ehrenpräsident, begleitet das Wirken seiner Töchter mit ungebrochener Leidenschaft. Die operative Führung und die önologische Vision liegen seit Jahrzehnten in den Händen von Renzo Cotarella, der 1979 als junger Absolvent zu Antinori stieß und heute als CEO und Chefönologe über ein Imperium von fünfzehn Weingütern wacht.

Der Weinberg Solaia

Die Tenuta Tignanello liegt zwischen den Flusstälern der Greve und der Pesa, unweit von San Casciano Val di Pesa. Das Anwesen erstreckt sich über 319 Hektar, davon 165 mit Reben bestockt. Die besten zwanzig Hektar gehören dem Solaia-Weinberg – eine nach Südwesten exponierte Hanglage, die mehr Sonnenstunden einfängt als jede andere Parzelle des Guts und dem Wein seinen Namen gab.

Zwischen 350 und 400 Metern über dem Meeresspiegel gelegen, ruhen die Rebstöcke auf Böden pliozänen Ursprungs, durchsetzt von marinen Fossilien und durchzogen von Tonschichten. Galestro, jene blättrigen Kalksteinplatten, die das Wasser halten und die Mineralität fördern, wechselt sich ab mit Albarese, dem harten Kalkgestein, das die Wurzeln zwingt, tief in den Untergrund vorzudringen.

Jahrgang 2022

Ein heißer, trockener Sommer – Juni und Juli lagen deutlich über dem Durchschnitt. Die alten Reben hielten durch, ihre tiefen Wurzeln erreichten die Wasserreserven im Tonboden. Mitte August brachte Regen die nötige Abkühlung für die letzten Reifewochen. Gelesen wurde vom 23. September bis 5. Oktober. Die Hitze setzte dem Sangiovese stärker zu als den Cabernet-Sorten, die mit der Trockenheit besser zurechtkamen. Renzo Cotarella reagierte darauf mit einer Verschiebung der Cuvée: nur zehn Prozent Sangiovese statt der üblichen fünfzehn bis zwanzig. Eine Entscheidung, die dem Wein seine Balance gibt – nicht trotz, sondern wegen des extremen Jahrgangs.

Verkostungsnotiz

Im Glas zeigt sich ein tiefes, fast undurchdringliches Rubinrot mit purpurnen Reflexen und violettem Rand. Das Bouquet öffnet sich zunächst kühl und zurückhaltend, dann treten schwarze Johannisbeere, Brombeere, Zwetschge und getrocknete Feige hervor, begleitet von Veilchen, Lavendel und Süßholz. Mit Luft entfalten sich Eukalyptus, Menthol, weißer Pfeffer, dunkler Tabak sowie dezente Barriquenoten von Espresso und Zedernholz – unterlegt von Graphit und salziger Mineralik.

Am Gaumen ein cremiger, saftiger Auftakt mit seidiger, fast öliger Textur, die dennoch nicht ins Schwere kippt. Die Säure ist vibrierend und perfekt eingebunden, das Tannin ultrafein gewoben – samtig, aber mit genug Griff für jahrzehntelange Reife. Das Finale zieht sich in beeindruckender Länge, Graphit, dunkle Frucht und Tabak klingen nach, eine balsamische Frische hebt den Abgang. Der bleibende Eindruck: Eleganz und kontrollierte Kraft.

Der Solaia 2022 reiht sich ein in jene Jahrgänge, die das Wesen dieses Gewächses auf neue Weise interpretieren. Wo manche seiner Vorgänger mit Opulenz auftrumpften, wählt dieser Jahrgang den Weg der Finesse und Präzision. Er ist eleganter als kraftvoll, zugänglicher als gewohnt – und doch von beeindruckender Konzentration und Komplexität.

Das Reifepotenzial ist beträchtlich: Ein Trinkfenster von 2028 bis 2042, womöglich darüber hinaus, erscheint realistisch. In seiner Jugend bereits zugänglich, wird der Wein mit zehn bis fünfzehn Jahren Flaschenreife jene tertiären Komplexitäten entwickeln, die Sammler und Kenner gleichermaßen begeistern.

Zusätzliche Informationen

Land

Italien

Region

Toskana

Rebsorte

Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Sangiovese

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